Erich Fromm
Die Kunst des Liebens
1956 - dt. 1969 Berlin (Ullstein Verlag)
Das Buch von Erich Fromm ist ein Klassiker über die "Theorie der Liebe". Alles andere sind nur noch Fußnoten zu diesm Werk.
Meine Ausgabe 1969 | 171 Seiten | A6-Taschenbuch
Liebe ist kein Gefühl, sondern Bemühen
Auf die Frage "Ist Lieben eine Kunst?" antwortet Fromm: "Dann erfordert es Wissen und Bemühung. Oder ist Liebe nur ein angenehmes Gefühl, das zu verspüren nur eine Sache des Zufalls ist, etwas, dem man 'verfällt', wenn man Glück hat? Dieses kleine Buch basiert auf der erstgenannten Annahme, während die Mehheit der Menschen zweifellos an die zweite Annahme glaubt." (S. 15)
Mein Projekt "Wahre Liebe" stellt die Lern-Themen zusammen, die dieses Wissen um die Gesetze der Liebe zur Verfügung stellt: "Schule der Liebe" als Lerntempel.
Warenbeziehung
In der Gesellschaft gelten die Gesetze des Warenaustauchs. Leider dominieren diese Gesetze inzwischen auch unsere private Shäre. Früher sprach man vom "Heirats-Markt", heute ist es die "Partner-Börse". Mark/Börse = Warenaustausch, Werteaustausch. Aus "wahrer Liebe" wird in unserer Gesellschaft Ware Liebe.
Fromm: "Zwei Personen verlieben sich also ineinander, wenn sie das Gefühl haben. das geeignetste auf dem Markt verfügbare Objekt gefunden zu haben, unter Berücksichtigung der Grenzen ihres eigenen Tauschwertes." (S. 18)
Wenn wir erkannt haben, dass Liebe eine Kunst ist, dann gilt es diese Liebe in Theorie und Praxis zu meistern. Es ist Meisterschaft in Theorie und Praxis. Fromm: "Die Meisterschaft in der Kunst muß dem Betreffenden wichtiger sein als alles andere; für ihn darf es nichts geben, was ihn stärker interessiert. Dies gilt für die Musik, für die Medizin, für die Bildhauerei - und für die Liebe. ... Trotz der tiefverwurzelten Sehnsucht nach Liebe hält man fast alle übrigen Dinge für wichtiger als sie (die Liebe, JS): Erfolg, Prestige, Geld, Macht. Beinahe unsere ganze Energie brauchen wir dazu, um zu lernen, wie man diese Ziele erreicht, und fast nichts verwenden wir, um die Kunst des Liebens zu erlernen." (S. 21) Liebe: Meistern in Theorie und Praxis.
Die Theoroe der Liebe behandelt Fromm im Tei II von S. 23 bis S. 111 - den "Verfall der Liebe in der zeitgenössischen westlichen Gesellschaft" bespricht er im Teil III (S. 113 - 139)
Die Praxis der Liebe im Teil IV (S. 141 - 171) nimmt den geringsten Teil im Buch ein und Fromm schreibt: "Aufgabe einer Diskussion über die Praxis der Liebe kann es nur sein, die Vorausstzungen der Kunst des Liebens zu diskutieren, gleichsam also ihre ersten Schritte. Der endgültige Schritt auf das Ziel hin kann von jedem nur selbst getan werden, und die Diskussion hört da auf, wo der endgültige Schritt beginnt. (S. 141)
Objekte der Liebe
Im Hauptteil behandlt Fromm die "Objekte der LIebe":
a) Nächstenliebe
b) Mutterliebe
c) Erotische LIbe
d) Selbstliebe
c) Gottesliebe
Ich denke Fromms Beschäftigung mit "Selbstliebe" hilft uns auch, die aktuelle Diskussion um "Narrzismius" vom Kopf wieder auf die Füße ztu stellen.
Er schreibt: Es sei im religiösen Sinne "... aber eine Sünde, sich selbst zu lieben ..., daß Selbstliebe also dasselbst ist wie Selbstsucht ... Der Narzißmus ist das frühe Stadium der menschlichen Entwicklung, und der Mensch, der später zu diesem Stadium zurückkehrt, ist unfähig zu lieben; im Exytrem ist er wahnsinnig." (S. 83)
Im Kontrast zur "wahren Liebe" behandelt Fromm auch die Pseudo-Liebe, das (Nicht-) Funktionieren der "Liebe" im Kapitalismus: Wir wechseln unsere Liebesparter wie wir unsere Autos wecheln. Eine kleine Beule in der Partnerschaft, schon findet man (vorläufig) "unverbeute" Ersatzpartner. Und Tschüß!
Apetitt-Happen
Ich kann hier nur einen "Appetit-Happen" zum Buch von Fromm geben. Es ist so aktuell, grundlegend und "nachhaltig" wie eh; ein Klassiker! ABC-Lektionen für bewusst Liebende.