Groll loslassen
"Wie können wir uns vom Gefühl des Grolls befreien, das nur dazu dient, die Liebeswunde durch die Verstärkung der Angst und der Wut auf andere aufrechtzuerhalten?"
Die Medizin ist im Gift zu finden. Wenn Groll einem Gift gleicht, weist diese Belehrung darauf hin, dass das Heilmittel im Geroll selbst liegt." (S. 85)
"Im Kern allen Grolls liegen tiefer Schmerz und Trauer über den Verlust von Verbundenheit. Weil wir über diese Verletzung nie ganz bewusst getrauert haben, verhärtet sie sich in unserem Körper und unserem Geist. Worüber wir nicht trauern, das verwandelt sich in Groll. Um die Medizin zu extrahieren, die das Gift des Grolls heilen kann, müssen wir uns diese Trauer eingestehen und sie zulassen, anstatt davon wegzulaufen. Das heißt, dass wir unsere Trauer über den Verlust der Verbundenheit aus dem Schatten in das Tageslicht von Offenheit und Wärme bringen müssen." (S. 86)
Vier Schrittte zur bedingungslosen Präsenz
Wie gehen wir beispielsweise mit Traurigkeit um?
1. Anerkennen: Alles, was DA IST (vor allem Gefühle) will nicht verdrängt werden, sondern in seiner Existenz anerkannt werden.
2. Zulassen: Raum geben. Dinge nicht "unter den Teppich kehren", sondern Raum geben. "Zulassern ist eine Form der ... Lockerung. Man lässt die Energie des Gefühls so groß sein, wie sie ist, ohne sich damit zu identifizieren oder abzulehnen." (S. 89)
3. Sich öffnen: "das Herz einem bestimmten Gefühl gegenüber zu öffnen; sich zu erlauben, die im Körper ablaufenden Gefühle ganz zu erleben, ohne einen Kampf dagegen aufrechtzuerhalten" (S. 90).
4. Hineingehen beduetet die eigene Bewusstheit in den Kern eines Gefühls einzubrinmgen." (S. 90)
"Die Traurigkeit ist immer noch da, aber sie hat keine solche Schwere mehr." (S. 90)
"Sie könnten es also jedes Mal, wenn Sie sich nicht geliebt fühlen, als ein Zeichen sehen, dass Sie von Ihrem eigenen Herzen abgeschnitten sind, anstatt nach einem äußeren Heilmittel zu suchen. Diese Abgetrenntheit ist das eigentliche Gift. ... Er ist ein direkter Schrei des Herzens: 'Du hast die Verbindung zu mir verloren. Bitte komm und suche mich, das Blut deines Lebens'" (S. 91)
"Wenn Sie sich an dem Ort begegnen, an dem Sie keine Begegnung fühlen, passiert etwas Neues und Mächtiges. Etwas so Einfaches und doch so Radikales: Sie beginnen, in sich selbst zu wohnen. Sie bewohnen Ihr einsames Herz wieder und erwecken es wieder zum Leben." (S. 92)
Hass ist ein Schrei nach Hilfe
Neben Traurigkeit sind Hass und Wut zwei Gefühle, die durch "bedingungslose Präsenz" geheilt werden können. "Hass ist im Grunde ein Schrei nach Hilfe, ein Schrei nach Beachtung von einem Ort in uns, der sich verloren und ohnmächtig fühlt. Wenn wir Hass als ein Zeichen von Entmachtung und Hilflosigkeit erkennen, erlaubt uns das, uns mit ihm anzufreunden, anstatt ihn als etwas Böses zu beachten. Er wird erst destruktiv, wenn wir ihn zu einer Waffe gegen uns selbst oder gegen andere machen." (S. 97)
Liebevolles Verständnis
"Es ist ein tiefer Akt der Güte, der das Eis der Verbitterung, welches unser Herz verhärtet, aufzutauen beginnt, wenn wir es lernen, die intensiven Gefühle und Wahrnehmungen in unserem Körper zuzulassen und ihnen Raum zu geben." (S. 97)
"Liebevolles Verständnis dient nicht dazu, Ihre Eltern zu entschuldigen oder die Weisen, auf die sie Sie verletzt haben, zu akzeptieren." (S. 98 f.)
"Solange Sie es persönlich nehmen, wenn andere Sie nicht wahrnehmen oder wertschätzen, halten Sie sich selbst in der Verfassung des gekränkten Kindes gefangen." (S. 99)
"Wenn Sie das persönlich nehmen, lassen Sie einen emotionalen Aufruhr in Ihr System eindringen und Sie vergiften. Wenn Sie es aber nicht persönlich nehmen, befreit Sie das vom Geisteszustand der Opferrolle." (S. 100)
"So wie ein leeres Boot, das uns rammt, nicht auf uns persönlich abzielt, werden Menschen, die lieblos handeln, von der unbewussten Kraft ihrer eigenen Verletztheit und ihres eigenen Schmerzens angetrieben. Bis wir das erkennen, werden wir Gefangene unseres Grolls, unserer Vergangenheit und unserer Opferrolle bleiben." (S. 100)
"Wir haben jeden Moment die Wahl, entweder Dankbarkeit zu empfinden für das, was uns gegeben wurde, oder Groll zu haben in Bezug auf das, was fehlt. Groll und Dankbarkeit sind entgegengestzte Pole. Der Groll richtet sich auf das aus, was nicht vorhanden ist - auf die Unvollkommenheiten der relativen Liebe -, und sucht jemanden, dem er die Schuld dafür geben kann. Danklbarkeit erkennt, was vorhanden ist, die einfache Schönheit der menschlichen Gegenwart und des menschlichen Kontakts - und reagiert darauf mit Wertschätzung." (S. 105)