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Heiliges Verlangen

"Wenn wir zu uns selbst ja sagen, uns selbst sein lassen, wir wir sind, unser Herz für uns selbst öffnen - all das entzündet den inneren Funken der Selbstlierbe und heilt unsere Herzenswunde. Es muss jedoch noch ein weiteres Element seinen Platz finden, wenn wir uns von der Stimmung mangelnder Liebe befreien wollen: Wir müssen die Liebe ganz in uns einlassen." (S. 131)
"Wir können die Liebe aber nicht empfangen, wenn wir uns dem zarten, empfindsamen Erleben des Wollens nicht öffnen. Wenn wir das Verlangen unterdrücken oder verleugnen, dann verschließt sich unsere Offenheit dafür, genäht zu werden, und intensiviert so unseren Hunger nur noch mehr." (S. 132)
"Wenn wir andere sehen lassen, wie sehr wir uns die Liebe wünschen, so bedeutet das, dass wir unsere Abwehrmechanismen beiseiteschieben und unsere Seele entblößen." (S. 133)
"Wenn jemand das eigene Verlangen, klar und ohne sich zu verteidigen, offenlegt, läßt er zu, dass er vom Partner gewsehen wird, was einen Zugang freilegt, der Kontakt ermöglicht. Momente, in denen die nackte Wahrheit gesaht wird, enthüllen die Schönheit Ihres Partners ..." (S. 135 f.)
"Es ist sehr wichtig, dass man das hier wirkende Prinzip versteht, denn das ist es, was es uns möglich machen wird, nicht nur menschliche Liebe zu empfangen, sondewrn auch die absolute Liebe aus der Ursprungsquelle." (S. 136)

Bekannt ist die Warnung Buddhas: "Die Ursache des Leidens ist Verlangen." (S. 137)
"Ich hatte festgestellt, dass die reine Energie des Verlangens, wenn man sie direkt und ohne Streben nach Befriedigung erlebt, ein eigenes strahlendes Leuchten und große Schönheit besitzt. Es ist der Saft des Lebens selbst." (S. 137)
"Ich brauchte Jahre, um diesen scheinbaren Widerspruch aufzudecken und zu verstehen, wie Verlangen sowohl die Quelle endlosen Leidens als auch großer Glückseligkeit sein kann. Der Schlüssel bestand in der Erkenntnis, dass Verlangen eine ganze Bandbreite unterschiedlicher Formen annehmen kann ..." (S. 138)
"Wie die klaren und ruhigen Tiefen des Ozeams still unter den tobenden Wellen liegen, so liegt unter unserer Leidenschaft das reine Verlangen unseres Herzens nach Verbundenheit." (S. 139)

"Selbst der Buddha musste in einer höheren Belehrung anerkennen, dass 'Verlangen vollkommen rein ist'. Verlangen ist in der gleichen Weise vollkommen rein wie das Feuer: Es ist einfach nur lodernde Energie, nichts von sich aus Schlechtes." (S. 139) "Es nimmt nur dann eine destruktive Form an, wenn wir falsch damit umgehen. Wenn wir das tiefere, in dieser strahlenen Hitze enthaltene Verlangen aufdecken können, kann das zu einem inneren Schmelzvorgang führen, der uns fähig macht, die Liebe ganz in uns einzulassen." (S. 140)
"Leidenschaft und Sehnsucht sind dann meine Reaktionen auf das heilige Du - das die Form eines geliebten Menschen, eines Berges in der Abenddämmerung oder der Mondscheinsonate annehmen kann -, eine Reaktion auf das Du, das mir erlaubt, in das Mysterium meines eigenen Wesens einzutreten." (S. 142)
"Intererssanterweise setzt sich das tibetanische Wort für Hingabe aus zwei Begriffen zusammen: aus Sehnsucht und aus Demut. Sehnsucht ist wie eine Kompassnadel, die uns magnetisch zur Quelle der Liebe hinlenkt, wohingegen Demut die Offenheit ist, die die Liebe einlädt hereinzuströmen." (S. 143)